Unfertige Dinge haben einen schlechten Ruf. Sie liegen herum, erinnern an Vorsätze und entwickeln mit der Zeit eine erstaunliche Fähigkeit, Vorwürfe auszustrahlen. Ein halb renoviertes Regal. Ein angefangenes Buch. Ein Projektordner mit dem Namen final_neu_wirklich_final.

Dabei sagt „nicht fertig“ zunächst nur etwas über einen Zustand. Nicht über deinen Charakter.

Drei gute Enden

Für ein angefangenes Vorhaben gibt es nicht nur „fertig“ und „gescheitert“. Es gibt mindestens drei vernünftige Entscheidungen: weitermachen, bewusst parken oder beenden.

Weitermachen lohnt sich, wenn das Ergebnis noch wichtig ist. Parken ist sinnvoll, wenn gerade Zeit, Geld oder Energie fehlen. Beenden ist richtig, wenn sich der Grund für das Projekt erledigt hat.

Nur weil gestern eine Idee gut war, muss sie heute keinen Anspruch auf deine Zeit besitzen.

Das Problem mit bereits investierter Zeit

Zwanzig Stunden Arbeit machen die einundzwanzigste Stunde nicht automatisch sinnvoll. Vergangener Aufwand ist vergangen. Die bessere Frage lautet: Würde ich mit dem heutigen Wissen noch eine weitere Stunde investieren?

Wenn die Antwort nein ist, darf das Projekt enden. Nicht dramatisch. Einfach sauber.

Wenn du parkst, parke ordentlich

Schreibe einen Satz auf: „Wenn ich weitermache, ist der nächste Schritt …“ Das erspart deinem zukünftigen Ich die komplette Wiederentdeckung des Projekts.

Mini-Aufgabe: Such ein unfertiges Projekt aus und entscheide heute nur zwischen drei Wörtern: weiter, parken, beenden.